GAEB Pro Titelbild

GAEB Pro für Mac und iPad: Vom Leistungsverzeichnis zum fertigen Angebot

Wer im Baugewerbe kalkuliert, kommt am GAEB-Standard nicht vorbei. Die passende Software lief bisher fast immer unter Windows, oft mit Wartungsvertrag und Schulungsbedarf. GAEB Pro deckt den Weg von der Ausschreibung bis zum abgabefertigen Angebot nativ auf Mac und iPad ab. Wir haben die App ausprobiert.

Ausschreibungen im deutschen Bauwesen laufen über ein Dateiformat, das außerhalb der Branche kaum jemand kennt. GAEB steht für den Gemeinsamen Ausschuss Elektronik im Bauwesen. Öffentliche Auftraggeber und viele private Bauherren verschicken ihre Leistungsverzeichnisse als D83-, P83- oder X83-Datei. Wer mitbieten will, liefert seine Preise in exakt diesem Format zurück.

Die etablierten Programme dafür sind mächtig. Sie laufen allerdings unter Windows, kosten häufig vierstellige Beträge und bedienen sich wie Software aus einer anderen Zeit. Genau in diese Lücke zielt GAEB Pro. Die App wird in Deutschland entwickelt und läuft nativ auf macOS und iPadOS. Die Zielgruppe ist klar umrissen: Handwerksbetriebe, kleinere Bauunternehmen, Kalkulatoren und Bauleiter, die GAEB-Dateien empfangen, bepreisen und wieder abgeben müssen, ohne dafür einen Windows-Rechner vorzuhalten.

GAEB Pro Erfahrung

Import ohne Fachchinesisch

Der erste Kontakt mit der App ist typischerweise eine Datei aus einer Ausschreibung. GAEB Pro liest alle drei Generationen des Standards: das betagte GAEB 90 (D81, D83, D84), GAEB 2000 (P81, P83, P84) und das aktuelle GAEB DA XML (X81, X83, X84). Das ist keine Selbstverständlichkeit. Gerade ältere D83-Dateien kursieren in der Praxis noch massenhaft, und viele davon halten sich nur locker an die Spezifikation.

Auffällig ist der Umgang mit Problemen. Statt kryptischer Fehlercodes zeigt die App einen Importbericht in verständlichem Deutsch. Er benennt, was übernommen wurde und wo die Quelldatei Eigenheiten hatte. Vorbemerkungen und Hinweistexte gehen in GAEB-90-Dateien gern verloren. GAEB Pro rettet sie in die Projektbeschreibung oder in die Langtexte der Positionen. Andere Programme verschlucken solche Texte kommentarlos.

Praktisch für Bietergemeinschaften und Nachunternehmer: Angebotspreise aus einer D84-, P84- oder X84-Datei lassen sich per Ordnungszahl-Abgleich in ein bereits vorhandenes Leistungsverzeichnis übernehmen, wahlweise mit oder ohne Überschreiben vorhandener Preise. Ein Bericht listet anschließend auf, welche Positionen übernommen wurden und wo es keinen Treffer gab.

D83 importieren

Der LV-Editor als Herzstück

Nach dem Import landet man im Editor. Hier zeigt sich, dass GAEB Pro von Grund auf für Apple-Plattformen gebaut wurde. Auf dem Mac gliedert eine Seitenleiste die Projekte, das Leistungsverzeichnis selbst erscheint als zügige Tabelle mit Titeln, Positionen und laufenden Summen. Auf dem iPad funktioniert dieselbe Oberfläche per Touch, inklusive Drag and Drop zum Verschieben von Positionen.

Die Volltextsuche erfasst Kurztexte, Langtexte und Bemerkungen. Treffer werden farblich hervorgehoben, bei Fundstellen im Langtext zeigt die App einen Textausschnitt rund um den Treffer. Eine Trefferleiste mit Zähler und Vor-und-zurück-Navigation, auf dem Mac über Cmd-G, macht auch das Durchforsten großer Verzeichnisse mit mehreren hundert Positionen erträglich.

Dazu kommen automatische Hervorhebungen, die typische Kalkulationsfehler sichtbar machen. Positionen ohne Preis erscheinen rot markiert, fehlende Mengen orange, ungewöhnlich hohe Gesamtpreise violett. Die Regeln sind bewusst fest vorgegeben und erklärt statt frei konfigurierbar, eine Legende dient zugleich als Schaltzentrale. Das ist eine kluge Entscheidung, denn so bleibt die Funktion auch für Gelegenheitsnutzer verständlich.

Positionen und ganze Titel samt Inhalt lassen sich kopieren und einfügen, auch zwischen Projekten. Wer eine Position in Excel weiterverwenden will, fügt sie dort einfach ein. Die App legt parallel eine Tabellenfassung in die Zwischenablage.

GAEB Angebote erstellen

Kalkulation und EFB-Formblätter

Bei der Preisbildung geht GAEB Pro über das reine Eintippen von Einheitspreisen hinaus. Preise lassen sich aus Material, Lohn, Geräten und Zuschlägen zusammensetzen. Baustellengemeinkosten, Allgemeine Geschäftskosten sowie Wagnis und Gewinn werden zentral gepflegt. Wer regelmäßig ähnliche Leistungen anbietet, legt Materialpreise, Gerätekosten, Nachunternehmer und wiederkehrende LV-Bausteine als Stammdaten an und greift in jedem Projekt darauf zurück.

Ein Alleinstellungsmerkmal auf Apple-Plattformen sind die EFB-Formblätter 221 und 222, die öffentliche Auftraggeber zur Preisaufklärung verlangen. GAEB Pro erzeugt sie auf Knopfdruck als PDF aus der laufenden Kalkulation. Der Nachbau dieser Formblätter von Hand in Excel kostet sonst regelmäßig einen halben Arbeitstag.

Angebote kalkulieren

Abgabe, die der Vergabestelle standhält

Am Ende des Weges steht die Abgabe. Dort entscheidet sich, ob eine GAEB-App alltagstauglich ist. GAEB Pro erzeugt maskenkonforme Abgabedateien in allen drei Formatgenerationen, die XML-Varianten prüft sie gegen das offizielle Schema. Dazu kommen ein druckfertiges Angebots-PDF mit Firmenlogo und Anschreiben sowie Exporte nach Excel, Word, CSV und HTML.

Bemerkenswert ausgereift ist der Umgang mit Nachträgen. Die App führt Nachtragsangebote mit Nachtragsnummer und Anspruchsgrundlage nach VOB/B oder BGB. Mengen- und Preisänderungen prüft sie kumulativ und warnt, sobald die Schwelle überschritten ist, ab der die VOB/B eine Preisanpassung erlaubt. Heraus kommt ein prüffähiges Nachtrags-PDF mit Unterschriftsblock, auf Wunsch zusätzlich ein GAEB-Export, in dem jeder Nachtrag als eigene Gruppe im Verzeichnis erscheint. Das ist Fachwissen, das man Software in dieser Preisklasse nicht unbedingt zutraut.

Export GAEB Pro

Daten bleiben beim Nutzer

Beim Thema Daten hält sich GAEB Pro erfreulich zurück. Es gibt kein Konto und keine Registrierung. Projekte synchronisieren über die iCloud des Nutzers zwischen Mac und iPad, alternativ arbeitet die App rein lokal. Projektdateien lassen sich als .gpw-Datei sichern, weitergeben und wieder öffnen. Kalkulationsdaten gehören zum Sensibelsten, was ein Betrieb besitzt. In dieser Branche ist das ein echtes Argument.

GAEB Pro - Baufortschritt

Preismodell: erst testen, dann abonnieren

Das Preismodell ist ein Freemium-Abo mit ungewöhnlich fairem Zuschnitt. Die ersten drei Projekte sind vollständig kostenlos, inklusive aller Importe und Exporte und ohne Zeitlimit. Als verbraucht gilt ein Projekt erst, wenn darin zum ersten Mal importiert oder exportiert wird. Ansehen, Bearbeiten und das Öffnen von Projektdateien bleiben dauerhaft frei. Wer mehr braucht, zahlt 9,99 Euro im Monat oder 99,99 Euro im Jahr. Das Abo gilt für Mac und iPad gemeinsam.

Verglichen mit den Lizenz- und Wartungskosten klassischer AVA-Software ist das eine andere Größenordnung. Fairerweise gehört dazu: GAEB Pro will das komplette AVA-Spektrum gar nicht abdecken. Die App konzentriert sich auf die Bieterseite, also auf den Weg von der empfangenen Ausschreibung zum abgegebenen Angebot samt Nachtragsmanagement. Diesen Weg deckt sie erstaunlich vollständig ab.

Fazit

GAEB Pro schließt eine Lücke, die auf dem Mac seit Jahren klafft. Handwerksbetriebe und Bauunternehmen, die bislang nur wegen der Angebotsbearbeitung einen Windows-Rechner betrieben haben, bekommen eine native, schnelle und erfreulich verständliche Alternative. Den GAEB-Standard nimmt die App dabei ernster als manches etablierte Programm. Kein Konto, kein Cloud-Zwang und drei komplett freie Projekte machen den Einstieg risikolos. Wer am Mac oder iPad mit Leistungsverzeichnissen arbeitet, sollte GAEB Pro ausprobieren.

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